Erfahrungsbericht Mobbing Opfer

On 14. Juli 2016 by Admin

Da sie sich für diesen Erfahrungsbericht über „Mobbing Opfer“ interessieren, nehme ich an, dass sie entweder selbst direkt schon mal von Mobbing betroffen waren, oder jemand Nahestehenden kennen (Kind, Partner, Arbeitskollegen usw.), der in irgendeiner Form mit Mobbing zu tun hat. Sei es darum, dass er gemobbt wird, oder vielleicht selbst Mobbing Täter ist. In diesem Erfahrungsbericht zeige ich ihnen Folgendes auf: Erstens, in welcher Form Mobbing-Opfer und Mobbing-Täter zusammengehören, zweitens wie der Täter und das Opfer leiden und drittens wie sie unabhängig, was auch immer mit ihnen gemacht wurde, aus dieser Sache rauskommen.

Wie kommt es überhaupt zum Mobbing?

Das sie, oder ihr Partner, oder ihr Kind gemobbt werden, das ist kein Zufall. Mobbing Täter und Mobbing Opfer stehen in direkten Zusammenhang. Es braucht einen Täter, um ein Opfer zu werden und es braucht ein Opfer, um Täter zu werden. Was bedeutet, Mobbing Opfer und Mobbing Täter finden sich. Und zwar natürlich läuft diese Interaktion unbewusst ab, weil kein Mensch will gerne Mobbing Opfer oder Täter sein. Aber um es ganz ehrlich auf den Punkt zu bringen, in ihren unbewussten Gedanken sehnt sich das Mobbing Opfer nach dem Mobbing Täter. Ich weiß, dass sich das für sie jetzt unglaublich anhört, aber ich werde es ihnen nun näher erläutern.

Mobbing Opfer und ihr verborgenes Schuldgefühl

Das Mobbing Opfer hat lange bevor es auf ihren Mobbing Täter trifft ein latentes Schuldgefühl in sich. Dieses Schuldgefühl sind immer Angstgedanken und mit diesen Angstgedanken greift sich das Mobbing Opfer, die ganze Zeit selbst an. Die Formen, die dieser Selbstangriff annimmt können sein:

  • sich Selbstvorwürfe machen
  • sich selbst nicht gut genug sein
  • Unzufriedenheit mit sich und mit dem eigenen Körper
  • sich erniedrigt fühlen
  • mit Krankheiten
  • mit Schmerzen
  • mit eigenen Verletzungen
  • sich schlechter fühlen als andere
  • unterlegen zu sein
  • keine Anerkennung und Aufmerksamkeit zu bekommen
  • sich nicht geliebt zu fühlen
  • selbstzerstörisches Verhalten (Sucht, Alkohol, Drogen, Essen, Zigaretten, TV, Internet, Sex-Sucht, uvm.)

Mobbing Opfer sind im Grunde durch diese Selbstangriffe sehr ängstliche Menschen, weil sie sich die ganze Zeit selbst angreifen. Diese Angriffe bleiben aber nicht auf sich selbst beschränkt, sondern sie werden auf andere projiziert und somit kommt dann der Mobbing Täter ins Spiel.

Der Mobbing Täter ist dem Opfer ähnlich

Genauso wie das Mobbing Opfer besteht der Mobbing Täter aus purer Angst. Im Unterschied zum Mobbing Opfer hat der Mobbing Täter jedoch bereits einen Schritt mehr durchlaufen. Nämlich den oben genannten Schritt, sich selbst anzugreifen. Meist war der Mobbing Täter in seiner Vergangenheit selbst Mobbing Opfer. Meist kommen diese Erfahrungen bereits aus der frühen Kindheit und werden über die Jahre immer ausgefeilter und spitzfindiger. Der Mobbing Täter hat vom Mobbing Opfer so große Angst, dass er es mit seinem Verhalten beginnt anzugreifen. Sie müssen sich das so vorstellen: der Mobbing Täter sieht im Mobbing Opfer so etwas Böses (Bedrohung, Angst, Leid), dass er sich davor schützen will, wenn nicht sogar völlig zerstören will. Er hat panische Angst, was er da an diesem Mobbing Opfer sieht. Er hält es nicht aus. Im Geist des Mobbing Täters herrscht Kriegszustand.

Aber das Mobbing Opfer tut doch nichts?

Das ist eines der meist unterschätzten Aussagen im Zusammenhang mit Opfern. Wenn sie ganz genau auf Mobbing Opfer schauen, dann erkennen sie wie gewalttätig ihre Gedanken im Geist (siehe oberhalb) über sich selbst und andere sind. Diese Angstgedanken sind so mächtig, dass das Verhalten von Mobbing Opfern (Körpersprache, Stimme, Bewegungsabläufe, Handlungen) so dermaßen als Angriff vom Mobbing Täter wahrgenommen werden, dass der Mobbing Täter sich gar nicht als Täter wahrnimmt, sondern als sich schützend und verteidigend. Wenn man sehr ehrlich zu sich selbst ist, dann erkennt man, dass man häufig Menschen als Täter missbraucht, um sich selbst zu bestrafen. Hier ein paar Beispiele, die typisch sind für Opfer, die andere Menschen als Täter missbrauchen:

  • Mich grüßt der Chef nie so freundlich, wie Hr. Müller (Chef ist der Täter)
  • Ich muss immer die Drecksarbeit erledigen (Chef ist der Täter)
  • Ich bekomme nie Gehaltserhöhungen (Chef ist der Täter)
  • Mein Kind bekommt immer schwieriger Fragen bei der Prüfung (Lehrerin ist der Täter)
  • Jedes Mal scheißt der Hund in meine Wiese (Andere sind der Täter)

Ich denke, sie verstehen was ich meine. Die Beispiele sind sehr eindeutig. Eines noch zu diesem Punkt: Unterschätzen sie diese harmlosen Beispiele nicht, genau das ist ihre Opfermentalität und durch solche harmlosen Dinge festigt sich immer der Opferstatus in ihnen.

Wie kommt man aus dem Mobbing Opfer Status raus?

Es ist so einfach, aber wer will das schon hören, der sich für den Opfer Status entschieden hat. Wenn sie wirklich raus wollen aus dem Mobbing, oder ihrem Kind und ihrem Partner dabei helfen, dann gibt es eine Entscheidung, die sie treffen müssen. Sie müssen zu kämpfen aufhören! Sie kämpfen gar nicht? Oh ja, das tun sie. Sonst könnten sie niemals Mobbing Opfer sein. Es kann niemals ein Kampf stattfinden, wenn der eine angreift und der andere nicht zurück schießt. Es hätte dann niemals ein Kampf gegeben. Jetzt zu den praktischen Anleitungen:

Schritt 1:

Angenommen, der Mobbing Täter trifft an ihnen etwas, das ihnen Angst macht. Fangen sie an total ehrlich zu sich selbst zu sein und schauen sie sich diese Angst an sich selbst an. Was ist es? Welche Eigenschaft und welches Verhalten am Täter mögen sie nicht. Sie können sich sicher sein, wenn sie ehrlich zu sich selbst sind, finden sie genau so eine Tat, die er ihnen angetan hat, die sie selbst einem anderen angetan haben. Und wenn sie bemerken, dass sie auch schon mal so waren, dann werden sie demütig und in ihnen heilt die Angst und der Hass. Das bedeutet, dass sie diese Angst abbauen und der Täter im weiteren, sie nicht mehr so als bedrohlich wahrnimmt, wie zuvor. Die Angst und den Hass, den sie auf den Täter haben, müssen sie aufgeben, denn dieser Hass ist es, der ihn und sie angreift. Das ist die größte Leistung, die sie zu bewerkstelligen haben, aber diese Leistung findet nur in ihrem Geist statt. Sie brauchen nur den Gedanken über den Täter zu verändern. Wenn so etwas wie Verständnis und Mitgefühl entsteht, dann sind sie auf dem richtigen Weg. Auch wenn sie sich das jetzt noch nicht mal vorstellen können, wenn sie das jetzt so lesen.

Schritt 2:

Sie hören mit dem ständigen Verurteilen von anderen und sich selbst auf. Meiden sie diese ganzen Tratsch und Klatsch Freundestreffen. In Wirklichkeit ist das die Brutstätte für ihre Selbstangriffe und Selbstzweifel. Es wird Angst und Konkurrenzdenken geschürt und das wiederum macht sie schwach. Sie brauchen keine Verbündeten, damit sie sich Feinde leisten können. Hören sie auf Feinde zu haben, dann brauchen sie auch diese Unmenge an Freunden nicht, die ihnen beistehen können. In Wirklichkeit haben sie ohnehin bereits erkannt, falls wirklich was passiert, kein Freund kann ihnen wirklich helfen. Nur sie selbst können sich helfen. Und die Hilfe, die sie sich selbst geben ist, dass sie diesen grausamen Opferstatus verlassen, in den sie sich selbst durch ihre Angriffe und Gedanken gebracht haben.

Schritt 3:

Sie erklären die Aktionen des Mobbing Täters für sich selbst als bedeutungslos. Sie wissen, dass er es weiter tun wird, aber sie geben dem Ganzen nicht mehr den Raum, den er für sie gehabt hat. Es ist so wie das Wetter: einmal regnet es und einmal scheint die Sonne. Wenn es regnet, nehmen sie halt den Schirm, um sich nicht nass zu machen. Gehen sie mit den Angriffen des Mobbing Täters genauso um, wie mit Regen. Es bedeutet nichts. Er wird dann relativ rasch das Interesse an ihnen verlieren. Ein Mobbing Opfer, das sich nicht mehr wehrt, ist unspannend. Und Mobbing funktioniert nur, wenn jemand kämpft. Wenn sie aber keine Lust auf Kampf mehr haben, dann legen sie die Waffe (ihre Rechtfertigungen und Opfer sein) ab und machen, was eigentlich viel schöner ist, sie beginnen sich selbst zu mögen und für andere da zu sein.

Schritt 4:

Wenn sie die ersten Schritte durchgeführt haben, dann passiert etwas ganz Wunderbares. Nämlich, erstens werden sie immer weniger in solche Situationen kommen und sie werden immer friedlicher, ruhiger, gelassener und liebevoller. Das sind die Eigenschaften, die sie aus dem Opferstatus rausholen.

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