Erfahrungsbericht Fernstudium

On 6. November 2016 by Admin

Da sie sich für diesen Erfahrungsbericht über ein  Fernstudium“ interessieren, nehme ich an, dass sie entweder bereits mitten in einem Studium an einer Fernuniversität oder Fachhochschule sind, oder es in Erwägung ziehen, mit einem Fernstudium in naher Zukunft zu beginnen. Diesen Erfahrungsbericht schreibe ich aus der Perspektive als aktueller Fernstudent selbst, als Vortragender an einer Fernuniversität, als selbst ehemaliger berufsbegleitender Studierender an einer Fachhochschule und mittlerweile als Coach für Studierende. In diesen Erfahrungsbericht fließen über 100 Coachings und Beratungsgespräche mit Studierenden an Fernuniversitäten und Fernfachhochschulen ein. Die Studierenden kamen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. In diesem Erfahrungsbericht geht es darum, auf was es wirklich ankommt, damit sie eine Fernuniversität erfolgreich abschließen. Viel Spaß beim Erfahrungsbericht!

Das Ausräumen von Zweifel: Normales Studium oder Fernstudium?

Man hört ja oft die Aussage, ja aber ein echtes Studium ist schon besser, oder? Dazu möchte ich folgendes gleich zu Beginn anfügen, weil mir dieser Gedanke genauso gekommen ist.

Die Zukunft geht eindeutig in die Richtung Fernstudium. Das merkt man auch an der Anzahl von Studiengängen, die an Universitäten als Fernstudium angeboten werden. Die Anzahl ist explodiert in den letzten 10 Jahren, weil einfach die ständige Präsenz an einer Universität oder Fachhochschule absolut „old school“ ist und gar nicht mehr erforderlich ist. Das noch alte Lehrsystem an den Universitäten kommt aus einer Zeit, wo es wenige Bücher gab und daraus vor großem Publikum vorgelesen werden musste. Deshalb noch heute die Verwendung des Begriffs „Vorlesung“.

Aber das Leben hat sich in den letzen 100 Jahren derart verändert, dass dieses System einfach überholt ist und spätestens in 10-20 Jahren unvorstellbar ist. Das Lernen über Video-Module, Audio-Vorlesungen, Online-Powerpoints, Acrobat-Reader Skripten usw. ist einfach „state of the art“ Lernen, weil sich jeder Studierende nach seinem Lerntempo und freiem Zeitfenster richten kann. Es gibt keine noch so kleine Zeitlücke, wo man sich nicht das Headset des Smartphones ins Ohr stecken kann und eine Audio-Vorlesung anhören kann. Einfach genial und überall auf der Welt durchführbar.

Unabhängig davon, ob du das Online-Seminar um 4 Uhr morgens, oder um 23 Uhr nachts ansehen willst, du bist der Programmdirektor. Dadurch bekommt auch der Lerntechnik eine völlig neue Rolle zu.  Es ist schon unglaublich bequem alles vollkommen aufbereitet serviert zu bekommen und man spart enorm an Organisation und Zeitaufwand für die Anreise an, die für die Präsenzuniversitäten und Fachhochschulen oft die Hälfte der Studienzeit ausmachen.

Außerdem lernen die Studierenden an den Präsenzuniversitäten nach den ähnlichen Videos, weil auch dort die Professoren von dieser Art der Aufbereitung profitieren. Natürlich haben das bereits alle Präsenzuniversitäten registriert und bieten wie verrückt solche Studiengänge an, obwohl sie wissen, dass diese Entwicklung ihr ganzes Universitätssystem ursurpieren, also wegrationialisieren wird. Da wird es von Professoren eine gewaltige Gehirnleistung benötigen, um diese ganzen verstaubten Arbeitsplätze aufrechtzuerhalten.

Ich habe mein berufsbegleitendes Studium noch an einer Fachhochschule absolviert und habe ca. 110.000 km und die gleiche Zeit was ich in der Vorlesung gesessen bin, im Auto durchs Pendeln verbracht. Aus meiner Sicht käme heutzutage für mich nur mehr die Variante eines Fernstudiums in Frage, weil es wirklich keinen Unterschied macht, ob ich vor Ort bin oder nicht.

Den Lernstoff muss ich ohnehin für mich erlernen und das Lernen in der Gruppe hat sich für mich als kontraproduktiv herausgestellt, weil auch dort der Zeitverlust enorm ist. Und es sehr auf die Gruppenzusammensetzung und Disziplin in der Gruppe ankommt, ob überhaupt ein Lernsituation in der Gruppe entsteht. Aus meiner 16jährigen Berufserfahrung im Management sind 99% der Gruppenbesprechungen sinnlos, Zeitverschwendung und dienen als Schaulaufen und Imponiergehabe von Ego-Persönlichkeiten, um hier ganz ehrlich zu sein. Außerdem muss man auch gar nicht ganz auf Gruppenarbeiten verzichten, weil es durch Konferenzschaltungen via Internet von zu Hause aus machbar ist. Die Tools dazu werden von den Fernuniversitäten sogar kostenlos zur Verfügung gestellt.

Wer sollte ein Fernstudium machen und wer nicht!

Ich möchte auf diesem Punkt konkret eingehen, weil es einfach Personen gibt, denen würde ich von Haus aus kein Fernstudium empfehlen. Doch zuvor gehe auf die Zielgruppe ein, die einfach prädestiniert für ein Fernstudium ist. Welche Eigenschaften ideal zum Fernstudium passen:

  • aus der Erfahrung bist du sehr gewissenhaft und willst alles relativ gut machen (um nicht zu sagen perfekt)
  • du hast gerne ordentliche Rahmenbedingung und klare Strukturen
  • du hast ein soziales Umfeld und bist in der Gesellschaft (Familie, Freunde, Kollegen) integriert (es besteht ansonsten die Gefahr, dass du dich völlig isolierst – und dann hilft dir ein Studium auch nicht mehr weiter)
  • du willst Effizienz und möchtest so rasch wie möglich deinen Studienabschluss machen
  • du weißt in etwa, warum und für was du dieses Studium verwenden willst
  • aus deiner Erfahrung weißt du, dass du ein eigenes Lerntempo hast und manche Dinge relativ schnell verstehst und bei manchen einfach mehr üben musst (das trifft zwar auf die meisten zu, aber durch die Lehrvideos ist es einfach genial, dass man sich die Videos mit Lösungen auch 100 mal anschauen kann – und nicht so wie in der Vorlesung man es nicht versteht und dann mit ungenügenden Mitschriften und völlig ratlos da steht.
  • du willst bei deinem Studium nicht Parties abfeiern, sondern du willst es wirklich rasch und zielgerichtet durchziehen

Wem würde ich ein Fernstudium definitiv nicht empfehlen:

  • wenn du sehr isoliert bist und wenig Umfeld und soziale Kontakte in deinem Leben hast (durch dieses Studium verbringst du noch mehr Zeit mit dir und irgendwann verlierst du den Bezug zu anderen)
  • wenn du depressiv und wenig Selbstwert hast (du wirst einfach ständig Motivationsprobleme haben, weil der Antrieb einfach fehlt)
  • Chaoten, die auf 5 Baustellen gleichzeitig tanzen müssen und in Wirklichkeit jede nur halb machen (genauso wird dann auch das Fernstudium nie zu Ende gebracht werden)
  • sehr jungen Menschen (geh lieber in eine der Präsenzuniversitäten – für dich ist viel wichtiger soziale Fähigkeiten zu erlernen, wie irgendein sinnloses Wissen, dass du ohnehin nicht verstehst, weil du keine Lebenserfahrung hast. Du weißt nie, für was du das lernen sollst und das ist ständig ein Motivationsproblem im Studium.

Wie du motiviert bleibst und den Erfolg einsackst

Du wirst feststellen, dass dein ganzer Erfolg beim Fernstudium, in der Arbeit, in deinen Beziehungen usw. von einem Schlüsselfaktor ausgeht. Und zwar: was bedeutet dieses Studium für mich? Dazu ein Beispiel:

Es gibt 2 Arten von Studierenden. Der eine trägt den Gedanken in sich: Ich will das auf die schnellste Art und Weise durchziehen, ich will das Diplom.“ Derjenige wird es definitiv schaffen, nur zu welchem Preis. Es wird eine Qual werden durch und durch.

Der andere trägt folgenden Gedanken in sich: Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit habe in dieser Form mein Studium zu absolvieren. Derjenige wird genauso wie in anderen Bereichen seines Lebens, wo er diese Haltung der Dankbarkeit zeigt, riesengroßen Erfolg und Freude damit haben, weil es nicht nur um das Diplom geht, sondern es geht ihm um jeden Tag bis zum Diplom. Das sind Performer. Um solche Menschen gieren sich Unternehmen. Von solchen Leuten gibt es 1 in 1000. Mit so einem will jeder zu tun haben. Werde du so jemand.

Das Zeitmanagement beim Fernstudium

Es ist einfach genial, weil man immer und jederzeit jegliche Lücke nutzen kann. Ich verbringe zum Beispiel immer im Dezember 1 Monat auf einem anderen Kontinent, weil ich meine Arbeit und mein Studium an jedem Ort, wo es W-LAN gibt ausführen kann. Noch dazu nutze ich sehr gerne Wartezeiten. Ich liebe es, wenn mich jemand warten lässt. In der Wartezeit lerne ich nämlich und sehe mir auf meinem Smartphone Lehrvideos an, oder höre eine Audio-Vorlesung meines Professors. Oder ich fahre total gerne stundenlang mit meinem Auto. Während der Autofahrt höre ich die Vorlesung. Oder im Flugzeug und Zug mit Headset.

Ich gehe total gerne spazieren, weil ich Zeit einfach effektiv einsetzen möchte und kombiniere lange Spaziergänge mit Vorlesungsinhalten am Smartphone, gehe damit Joggen und sogar in den Ruheraum der Sauna kann ich es mitnehmen.

Was bei mir die Motiviation unheimlich aufrecht erhält ist, dass diese vielen Lehrkanäle (ich bin kinästhetischer Lerntyp – ich muss immer was tun beim Lernen) meine Lerntechnik unheimlich optimiert haben. Es macht Spaß Joggen zu gehen, weil ich mich gut fühle und dadurch 1 Stunde gelernt habe und nach dem Joggen Zeit für Familie, Freunde usw. habe.

Mich fasziniert das Fernstudium, weil mir endlich das Lernen wieder Spaß macht. Ich kannte es anders von der berufsbegleitenden Fachhochschule, wo alles mit Skripten und stundenlangen Sitzen über den Büchern verbunden war.

Was nämlich der Effekt aus dem oben erwähnten ist, dass du durch diese Freude das Lernen einfach enorm ausdehnst und gar nicht mehr unterscheidest zwischen Lernphasen und Freizeitphasen. Das Lernen arbeitet bei dir in der Freizeit weiter, weil du es nicht mit Abneigung gelernt hast, sondern mit Inspiration und du findest sogar Möglichkeiten das Gelernte sinnvoll mit deinen Freunden zu teilen, wodurch du das Gelernte zusätzlich festigst.

So, das wars jetzt erstmal für erste. Falls ich feststelle, dass es noch relevante Ergänzungen gibt, dann werde ich bei Gelegenheit noch Informationen hinzufügen. Mehr zu diesem Thema gibt es auch noch bei meinem Erfahrungsbericht 4 Jahre berufsbegleitend studieren.

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